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Länderbericht Russland

Auf Russland entfällt 30 % der weltweiten Kohle-Vorräte und 20 % der weltweiten erkundeten Vorräte. Jedoch sind 70 % davon Braunkohle für die energetischen Nutzung.

Jährlich werden in Russland maximal 360 Mio. Tonnen Kohle gefördert. Dabei belegt Russland nach den auf dem Weltmarkt führenden Ländern China, USA und Indien weltweit den sechsten Platz nach der Kohlenförderung. Dabei lag die UdSSR Mitte der sechziger Jahre, bis zur Entdeckung der Erdöl- und Gasvorkommen in Westsibirien, weltweit auf dem ersten Platz nach der Kohleförderung.

Der Abbau erfolgt hauptsächlich im Tagebau, nur 100 Millionen Tonnen werden jährlich untertage gefördert. Auf dem Territorium unseres Landes arbeiten jetzt 228 kohlefördernde Unternehmen: 85 untertage und 121 im Kohlentagebau.

Das Hauptzentrum der Kohlenindustrie ist Sibirien, wo das größte Kohlebecken im Land, das Kusnezker Kohlebecken (Westsibirien) liegt. Hier werden 56 % der gesamten russischen Kohle gefördert. Der Abbau erfolgt im sowohl Tagebau als auch im Untertagebau. Andere große Kohlebecken befinden sich in Kansk-Atschinsk (Ostsibirien), das Petschora-Kohlebecken (im Norden des europäischen Teiles Russlands), östlicher Donbass (im Südwesten des europäischen Teiles Russlands). Sogar bei Moskau gibt es kleinere Vorkommen. Südlich der Hauptstadt wird im Moskauer Kohlebecken Braunkohle gefördert.

In der Kohlenindustrie Russlands sind ungefähr 153 Tausend Menschen beschäftigt. Der Durchschnittslohn in der Branche liegt bei 40.700 Rubeln (580 Euro im Monat), das übertrifft das Durchschnittsgehalt im Land um 24,8%. Aber gleichzeitig, ist das Gehalt der Arbeiter in der Kohlenindustrie um 26,8 % niedriger, als das Gehalt in allen Unternehmen, die sich mit der Förderung von Bodenschätzen beschäftigen.

Der Einfluss der Bergarbeiterbewegung auf die Geschichte Russlands in den letzten Jahrzehnten
Folie 3 Generalstreik der Bergarbeiter in der UdSSR im Jahr 1989
Er begann mit der Aktion der Meschduretschensk-Kumpel in Westsibirien (Kusbass). 300 Bergarbeiter weigerten sich, einzufahren und forderten höhere Löhne für Spät- und Nachtschichten, einen einheitlichen arbeitsfreien Tag, volle Versorgung der Gruben und der Bergarbeiter mit Waschmitteln und einer Ernährung während der Arbeitszeit unter Tage.

Schon nach zwei Tage hat der Streik alle Gruben des Gebietes Kemerowo erfasst. Der Streik aus dem Kusbass erfasste den Donbass, Karaganda, das Petschora-Kohlebecken. Es wurde tatsächlich der ganze Industriezweig bestreikt. Zwecks Verhandlungen mit den Kohlekumpeln kam der Ministerpräsident der Regierung der UdSSR. Alle ihre Forderungen wurden erfüllt. Es fanden zwei Unions-Bergarbeiter-Kongresse statt, nach deren Ergebnissen die Arbeiter selbst erstmalig das Projekt eines Manteltarifvertrages für den Zweig erstellten und die Forderung vorbrachten, den Stundenlohn einzuführen.

Von den Streikkomitees wurde eine Gewerkschaft, die Unabhängige Bergarbeitergewerkschaft gebildet. Jedoch haben sich die gewählten Menschen in der Führung der Gewerkschaft als korrumpiert erwiesen. Sie haben mit der Führung der Unternehmervereinigung ein Abkommen geschlossen, in dem sie versprachen, gegen finanzielle Unterstützung die Forderung nach Privatisierung der Industrieunternehmen zu unterstützen. Der Skandal um dieses Abkommen hat das Ansehen der neuen Gewerkschaft unter den Arbeitern untergraben. Und der Zerfall der UdSSR, die Massenprivatisierung der Kohle fördernden Unternehmen und die Schließung der unrentablen Gruben hat alle Errungenschaften der letzten Jahre der Existenz der Sowjetunion beseitigt.

Folie 4 der Schienenkrieg 1998

Mitte 1990 Jahre gewährte die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung einen Kredit für die Restrukturierung der Kohleförderung Russlands. Die Restrukturierung setzte die Schließung der Gruben voraus, die von den Experten als unrentabel erkannt wurden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, regten die Behörden bewusst die Unternehmenseigener zur Nichtzahlung der Löhne an. Da es sich um Unternehmen ging, die sowieso geschlossen werden, griffen die Arbeiter, um ihre Forderungen durchzusetzen, zu radikalen Aktionen der direkten Wirkung – sie begannen, wichtige Eisenbahnlinien und Automagistralen abzusperren. Am 13. Mai, haben die Bergarbeiter der Stadt Inty die Hauptstrecke Moskau – Workuta abgesperrt. Zwei Tage darauf blockierten ihre Kollegen haben die Transsibirische Magistrale. Zum 22. Mai waren alle großen Magistralen des Landes abgesperrt. In Russland war faktisch Eisenbahngütertransport blockiert. Der östliche Teil des Landes war vom westlichen abgeschnitten.

Im Juni wurde das Zeltlager vor dem Haus der Regierung – dem "Weißen Haus" in Moskau errichtet. Es wurden die Auszahlung der Gehälter, das Ende der Zechenschließung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen gefordert, außerdem der Rücktritt des neoliberalen Präsidenten des Landes Boris Jelzin.
Jedoch donnerte schon im August die harte Wirtschaftskrise, und bis zum Oktober musste man die Protestaktion einstellen – den Behörden war nicht nach Bergarbeitern. Niemand konnte ihre zahlreichen sozialen Forderungen bewilligen. Und die Regierung musste zurücktreten. In dieser Zeit arbeiteten die marxistisch-leninistischen Organisationen eng mit den am Zeltlager teilnehmenden Bergarbeitern zusammen. In die Führung des Protestlagers war Grigori Isajew aufgenommen worden. Der Vertreter des nicht mit den Bergarbeitern verbundenen städtischen Streikkomitees aus Samara, der Führer einer der kleinen marxistisch-leninistischen Parteien Russlands, der unter Breschnew fünf Jahre im Gefängnis saß – wegen Kritik am Revisionismus der KPdSU.

„Rosugleprof“ ("Russische Kohlegewerkschaft")

Das ist die alte Gewerkschaft der Bergarbeiter, die schon in der Sowjetunion existierte. Die Führung dieser Berufsvereinigung erklärt, dass darin 140 Tausend Mitglieder organisiert sind, das heißt praktisch alle Beschäftigten der Branche. In der UdSSR waren im Laufe der Herrschaft der Revisionisten die Gewerkschaften keine Kampforganisationen für den Schutz der Interessen der Arbeiter, sondern gesellschaftliche Organisationen, die materielle Hilfe und Fahrten in Sanatorien verteilten. Man trat nicht ein, sondern alle Arbeiter der Branche wurden automatisch eingeschrieben. Auch die Gewerkschaftsbeiträge wurden von der Buchhaltung automatisch überwiesen.
Nach dem Zerfall der UdSSR wurde diese Praxis abgeschafft, aber "die alten Gewerkschaften" behielten all die Immobilien, da sie zur sowjetischen Zeit über prophylaktische Betriebssanatorien, Pensionen, Hotels, Sanatorien verfügten. Es sind den Behörden ergebene und nicht die sich mit den Arbeitgebern zankende Berufsorganisationen. Gerade sie unterschreiben im Namen der Arbeiter die dreiseitigen Abkommen und Kollektivverträge. Rosugleprof hat in 25 Jahren keinen Streik organisiert, wurde kein Initiator eines Arbeitskonfliktes.

Die unabhängige Gewerkschaft der Bergarbeiter Russlands

Es ist eine Gewerkschaft, die aus dem Streik der Bergarbeiter der UdSSR 1990 geboren wurde. Sie ist in Westsibirien im Kusbass am einflussreichsten. Sie hat 20 Tausend Mitglieder. Anfang der neunziger Jahre hat sich ihre Führung durch ihre Zusammenarbeit mit der neoliberalen Verwaltung Boris Jelzins wesentlich kompromittiert, die den Kurs auf "die Restrukturierung der Sparte" durch die Schließung vieler kohlefördernder Unternehmen genommen hatte. Nichtsdestoweniger mischt sie sich jetzt manchmal in die Arbeitskonflikte auf der Seite der Arbeiter ein. Jedoch tritt sie selten Initiator solcher Konflikte auf. Sie befindet sich in der Opposition zum Regime des Präsidenten Putin.

Die entscheidende Rolle in den aktuellen Arbeitskonflikten spielen nicht die Gewerkschaften und ihre Grundorganisationen, sondern die im Verlauf des Konfliktes entstehenden Streikkomitees. Leider sind das kurzlebige Strukturen, zwischen denen es keine Koordination gibt. Da die Hauptkonflikte heute mit dem Rückstand der Lohnzahlungen von geschlossenen Unternehmen, oder von Unternehmen in einer komplizierten Finanzlage verbunden sind, so ist das Hauptinstrument des Protestes und der Einwirkung auf die Arbeitgeber und die Machtorgane nicht der Streik oder die Weigerung, einzufahren, sondern der Hungerstreik.

Blockaden von Straßen oder Eisenbahnen, ähnlich dem, was Ende der neunziger Jahre war, lassen die russischen Behörden heute nicht zu. Das Regime in Russland ist inzwischen härter, autoritärer und repressiver geworden, wovon die Ereignisse in einem der Zentren der Kohlenförderung des östlichen russischen Donbass in der Stadt Gukowo zeugen.