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Länderbericht Iran

120 Eisenerzminen mussten wegen Wirtschaftsdepression schließen und 10 000 Arbeiter verloren ihre Arbeit.

Laut der Untersuchung eines der Minengesellschaft nahestehenden Instituts mussten 120 Zechen wegen schlechter Wirtschaftslage schließen. Dabei verloren Zehntausend Arbeiter ihren Job. In diesem Jahr waren davon 4600 Arbeiter betroffen

Die iranische Nachrichtenagentur „Tassnim“ bezieht sich in ihrem Bericht von 17. Januar 2017 auf die Untersuchung des oben genannten Instituts. Dem zufolge liegt der Grund der massiven Betriebsschließungen an der drastischen Senkung der internationalen Marktpreise. Seit  2011 sind die Preise für Roheisen bis zu 70% gesunken. Mehr als 80% der kleineren privaten Zechen mussten schließen.

Laut der Untersuchung sind 120 von 160 Zechen komplett stilllgelegt worden und der Rest ist nur teilweise in Betrieb. Die Untersuchungen beziehen sich auf fünf Provinzen im Iran.

Außerdem seien insgesamt auf 64 Zechen 4568 Kollegen entlassen worden. Äquivalent zu je 1000 Tonne gewonnenem Eisenerz sei unmittelbar nur 1 neuer Arbeitsplatz und indirekt 10 neue Stellen geschaffen worden. 

Hier sind einige Daten:

Wirtschaftliche Lage

Entwicklung der Betriebe abhängig von den Preisen

1 - Die Zechen

Mehr als 80% -  Schließung der 120 Zechen

2 - Anzahl der Entlassungen

Ca. 10000 Wirtschaftsdepression

 

3 - Produktionskapazität der privaten Betriebe

Bis zu 60% gesunken

4 - Kapazität der Eisenerzproduktion

Bis zu 38% Senkung

5 - Exportvolumen der privaten Betriebe

Bis zu 70% Minderung

6 -  Gesamtes Exportvolumen des Irans

50% Senkung

7 - Investitionsvolumen

47% Senkung

8 - Neue Stellen im Minensektor

39% Senkung

9 - Produktionskosten

Bis zu 10 Euro pro Tone gestiegen

10- Exportkosten

Bis zu 25 Euro pro Tone gestiegen

Die Untersuchung nennt die folgenden Punkte als Hauptgründe für die Schließung der privaten Minenbetriebe im letzten Jahr.

  1. Wirtschaftsdepression im Lande

  2. Massiver  Preissturz des Eisenerzes auf dem Weltmarkt bis zu 70%

  3. Monopolisierung des Welthandels

  4. Schwacher Binnenmarkt oder schwache inländische Nachfrage

  5. Steigerung der Transportkosten sowie Steuer und Pachtkosten

Die Lage der Eisenerzbetriebe von Januar 2016 bis heute

Provinz

Anzahl der Zechen

Anzahl der stillgelegten Zechen

Anzahl der abgebauten Stellen

Khorasan

24

11

2375

Yazad

16

10

1129

Kerman

7

4

445

Nordwesten

13

7

320

Fars u. Hormozgan

4

2

317

Gesamt

64

34

4586

Lagebericht über die aktive Arbeitskraft bei den Bergwerken in Iran

Der Iran verfügt über 42 Milliarden Tonnen an Mineralien und zählt damit als ein bedeutendes Mineralien-Land der Welt. Dieses Land steht mit der Produktion von 364 Millionen Tonnen Mineralien im Jahre 2015 im Wert von ca. 4,3 Milliarden Dollar an der 10 Stelle der Weltrangliste, was die Produktion der Mineralien anbelangt, und an der 15. Stelle, was die Gesamtwert der Mineralien angeht. Der Anteil der Herstellung der Mineralien an der Brutto-Inlands-Produktion liegt bei 6% und die Anzahl der Bergarbeiter stellt 0,75% der Gesamtbeschäftigten im Land dar.

Dieser Bericht umfasst zwei Bereiche und ist ein Versuch, die Lage der Bergarbeiter in Iran zu analysieren. Im ersten Teil befasst sich dieser Bericht mit der wirtschaftlichen Entwicklung sowie Zahlen, Fakten und Statistiken bezüglich der Beschäftigten bzw. Beschäftigtenstruktur der verschiedenen Bergwerke in einem Zeitraum von 2003 - 2016. Und im zweiten Teil untersucht dieser Bericht die Lage der Gewerkschaften, Arbeiterproteste sowie –Streiks in diesem Bereich. Bei der Erstellung dieses Berichts finden die offiziell veröffentlichten staatlichen Ergebnisse des Amts für Statistik Irans Anwendung. Alle erwähnten Zahlen und Statistiken in diesem Bericht sind von der Webseite der „Iran-Statistiken-Zentrum" entnommen worden.

Diesen Bericht widmen wir allen Arbeitern, die im Laufe der Arbeiterproteste ums Leben gekommen sind und vor allem den ermordeten Arbeitern von „Khatoon-Abad Kupfer-Bergwerk", sowie „Zarand Kohlebergwerk" (Maadanju), und ehren ihr Andenken.

Die Lage der Bergarbeiter bei den Minen, die gegenwärtig im Einsatz sind:

Die Anzahl der im Einsatz stehenden Bergwerke im Iran hat sich von 2955 Minen im Jahre 2001 auf 5355 Minen im Jahre 2015 erhöht.

Die Förderung des Eisens stellte seit den 90er Jahren die höchste Wertschöpfung dar und danach, aber mit großem Abstand, liegt die Produktion von Kupferstein und Edelstein an den nächsten Stellen. Obwohl bis vor 90er Jahren Kupfereisen - im Vergleich zu anderen Mineralien - höchsten Grad an Mehrwert für sich beanspruchte. Diese Dieses Verhältnis zeichnete sich in dem Zeitraum von 2003 bis 2015 mit gewissen Schwankungen ab. Die Beschäftigtenzahl im Bergbaubereich hat sich in einem Zeitraum zwischen 2003 bis 2016 von 127,305 auf 156,722 weiterentwickelt. Diese Zahl ist im Vergleich zu Gesamtbeschäftigten im Iran sehr gering und stellt weniger als 1% dar.

Die überwiegende Zahl an Bergarbeitern bezieht sich auf die Provinzen „Kerman", „Yazd" und „Isfahan". Diese drei Provinzen umfassen 40% der Gesamtbeschäftigten beim Bergbau im Jahre 2015. Die Zahle der weiblichen Beschäftigten im Bergbaubereich ist sehr gering, und sie nimmt sogar ständig ab. Das Verhältnis zwischen weiblichen Beschäftigten zur Gesamtbeschäftigten in diesem Feld hat sich von 6,2% im Jahre 2007 auf 2,7% im Jahre 2016 zurückentwickelt.

Die überwiegende Zahl der Beschäftigten im Bergbaubereich sind in drei Sektoren aufzuteilen, nämlich:

- Einfache Arbeiter

- Kraftfahrer, Montagearbeiter und Maschinenführer

- Hochqualifizierte Arbeiter

Bei allen diesen drei Feldern zeichnete sich in einem Zeitraum von 2006 bis 2016 eine wachsende Beschäftigungszahl ab. Die überwiegende Zahl der weiblichen Bergbaubeschäftigten ist in zwei Feldern eingesetzt, nämlich entweder als qualifizierte Fachkräfte oder als Sachbearbeiterin im Verwaltungsapparat.

Ein prägnantes Merkmal bei dieser Untersuchung ist die Feststellung des ständig wachsenden Privatsektors in letzten Jahrzehnten. Diese hat sich in einem Zeitraum zwischen 2006 bis 2016 von 37,7% auf 59% drastisch weiterentwickelt.

Im Jahre 2006 hatten 95% der Bergarbeiter eine Wochenarbeitszeit (WAZ) von über 40 Stunden und 51% der Gesamtbeschäftigten hatten eine WAZ von über 50 Stunden. In einem Zeitraum von 2011 bis 2016 waren 85% der Bergarbeiter mit einer WAZ von über 40 Stunden und 42% von ihnen mit einer WAZ von über 50 Stunden beschäftigt gewesen.

Die Zahl der Arbeitsunfälle im Bergbaubereich

215 Bergwerken - diese umfasst 4,8% der Gesamtzahl der Bergwerke im Iran - verfügten im Jahre 2010 über Sicherheits- Hygiene- und Umweltschutzeinrichtungen sowie Sanitäranlagen. In diesem Jahr sind offizielle Angaben zufolge insgesamt 851 Arbeitsunfälle registriert worden und dadurch hatten 876 Bergarbeiter Verletzungen davon getragen. Bei der Kohlegewinnung sind 246 Arbeitsunfälle in diesem Jahr registriert worden. Kohlebergwerke stellen das unsicherste Feld im Bergbaubereich dar. Danach liegen die Gewinnung von Sand-, Guss-sowie Kalkstein jeweils mit 215 und 149 Arbeitsunfällen an den nächsten Stellen, die insgesamt in 49 Fällen zum Tod und in 41 Fällen zu Verletzungen, Behinderungen sowie Amputationen der Körperglieder der Betroffenen führten. Bis zum Jahre 2015 sind die Anzahl der Bergwerke ausgerüstet mit Sicherheits-, Hygiene-, Umweltschutzeinrichtungen sowie Sanitäranlagen auf 670, - d.h. auf 15% - gestiegen. Die registrierten Arbeitsunfälle in diesem Jahr sind auf 1,577 Fälle und die Betroffenen davon auf 1,606 Arbeiter zu beziffern. Die Gewinnung von Kohle in diesem Jahr zeichnet mit 717 Betroffenen von Arbeitsunfällen das unsicherste Feld im Bereich der Gewinnung von Mineralien ab.

Die Arbeiterproteste sowie – Streiks im Bereich Bergbau

Während der Zeit 2003 bis 2017 ist es mehrmals zu Streiks, Kundgebungen und Arbeitsniederlegungen bei den Bergarbeitern gekommen. Diese wurden aber durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte seitens der Islamischen Republik mit drastischen Maßnahmen unterdrückt worden bzw. durch heftige Auseinandersetzungen sind viele Arbeiter festgenommen, verletzt oder sogar teilweise ums Leben gekommen.

Im Jahre 2016 kam es zu Arbeiterproteste gegen befristete Arbeitsverträge der Saisonarbeiter, bzw. gegen nicht Umwandlung solche Verträge in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Bei diesen Aufständen sind 28 Bergarbeiter festgenommen worden. Sie sind aber im Nachhinein durch massiven Widerstand der Arbeiter alle entlassen worden. Trotz allem wurde weiterhin die Politik der Unterdrückung der Arbeiter fortgesetzt. Beim Eingreifen der Sicherheitskräfte in einer Protestkundgebung der Bergarbeiter von Zarand Kohlebergwerk im Jahre 2015 ist der Arbeitervertreter ermordet worden. Dabei mussten die Arbeiter die Durchsetzung ihrer Forderungen mit ihrem Leben bezahlen. Es kam in dem Bergwerk „Chadermlu" auch zu Protestaktionen, Versammlungen und Kundgebungen. Aber die Bedeutung dieser Aktionen diesmal bestand darin, dass sich die Arbeiter energisch für die Freilassung ihrer verhafteten Vertreter einsetzten, und sich trotz weiterer Massenverhaftungen nicht einschüchtern ließen, und um Ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, haben sie konsequent ihren Standpunkt beibehalten. Obwohl es den Arbeitern nicht gelang, ihren Forderungen durchzusetzen, und mit dem Versprechen der Zuständigen, dass sie die Forderungen sowie Anliegen der Arbeiter auf den Grund gehen werden, haben die Arbeiter wieder die Arbeit aufgenommen. Aber trotz allem konnten die Arbeiter durch diese Aktionen ein Zeichen setzen, und ihre Solidarität zum Ausdruck bringen und demonstrieren.

Bei dem Eisen-Bergwerk in Bafgh kam es zu einer Arbeitsniederlegung. Der markante Punkt bei diesem Streik lag darin, dass diesmal die Familienangehörigen der Arbeiter dabei waren und mitgemacht haben. Nach der Festnahme von mehreren Arbeitern versammelten sich die Arbeiter mit ihren Familienangehörigen vor dem Verwaltungsbüro des Arbeitsgebers und verhinderten, dass er nach Hause geht, bevor er die verhafteten Arbeiter freilässt. Diese Protestaktion, trotz aller Defizite, die sie aufwies, stellte eine der größten und längsten Aktionen der Bergarbeiter in letzte Jahrzehnte dar. Sie dauerte fast zwei Monate lang an und war eine der erfolgreichsten Aktionen, die sich konsequent und effektiv für die Freilassung der festgenommenen Arbeiter einsetzte. Trotz aller Bemühungen und Kraftanstrengungen der Bergarbeiter, ihre Ziele zu realisieren, konnten sie nur teilweise Erfolge erzielen. Die Ursache für den partiellen Misserfolg dieser Protestaktionen lässt sich in zwei Faktoren zusammenfassen, nämlich:

Zum einen der ständig zunehmenden Druckausübung seitens des Arbeitgebers und zum anderen Mangel an einem Syndikat der Bergarbeiter.

Im Jahre 2015 wurde durch die Privatisierung des „Alborze Sharghi Bergwerks" 95% des Unternehmensanteils an Unternehmen „Zoobe-Ahane-Isfahan" übergeben und nur die restlichen 5% gehörte den Arbeitern.

Die weiteren Protestaktionen der Bergarbeiter in den letzten 3 Jahren richteten sich gegen die verzögerten Gehaltsauszahlungen, die sich zum Teil bis zu 5 Monaten verzögert hatten, und gegen Nichtauszahlung bzw. Gewährung der Rentengelder sowie Rentenansprüche der Arbeiter, die teilweise bis 16 Monaten im Verzug waren.

Trotz Teilerfolge, die Bergarbeiter bei der Durchsetzung ihrer finanziellen Forderungen verbuchen konnten, erfolgt leider immer noch die Gehaltsauszahlungen mit Verzögerung.

Das Gold-Bergwerk Agh-Daareh

Bei der Agh-Dareh Gold-Bergwerk sind 550 Arbeiter beschäftigt. Im Jahre 2015 kam es zu Entlassungen von 350 Saisonarbeitern in diesem Betrieb, deren Beschäftigungsdauer bis zu 7 Jahre ging. Als Protest gegen diese Entlassungen versammelten sich alle Beschäftigten vor dem Haupteingang des Betriebs. Bei dieser Kundgebung, die bis 20:00 Uhr am selben Tag andauerte, begangen 3 Bergarbeiter Selbstmordversuche, die misslungen waren. In den nächsten Tagen danach erstatte der Arbeitgeber eine Anzeige gegen 11 Bergarbeiter wegen „Betriebsstörung". Das konsequente Vorgehen der Bergarbeiter für die Sicherheit sowie den Erhalt der Arbeitsplätze führte letztendlich zur Auspeitschungen der verhafteten Arbeiter als vorgesehen Strafe für die „Störung der Betriebsruhe".

In Anbetracht des vorliegenden Berichts sowie den erwähnen Fällen lässt sich in Kürze folgendes Resümee herleiten:

In den letzten 5 Jahren gelang es den Bergarbeitern in überwiegenden Fällen, sei es gegen verzögerte Gehaltsauszahlungen, oder gegen Enthaltung ihrer beruflichen Vorteile oder für die Freilassung festgenommener Arbeiter durch verschiedene Aktionsformen Teilerfolge zu erzielen. Trotzdem mussten sie bei allen durchgeführten Protestaktionen gegen Privatisierung, Arbeitsplatzabbau und Rationalisierungen mit drastischen Unterdrückungsmaßnahmen rechnen. In den letzten Jahren haben sich die Arbeiterproteste weitgehend ausgeweitet, und sie fanden in längeren Zeiträumen statt. Das Organisieren der Protestaktionen mit tausenden Demonstranten und die konsequente Vorgehensweise, die teilweise über mehrere Monate oder sogar Jahre andauerten, abgesehen davon in wie fern sie erfolgreich waren, sind eindeutig lobenswert und hoch zu schätzen.

Die Bergarbeiter stellen in diesem Jahr die am meisten an Armut, Unterdrückung und Leid gelittene Schicht der Gesellschaft dar. Und daher zeichnen sie eine Vorreiterrolle bei der kämpferischen Arbeiterbewegung ab.

Zum Berichtsabschluss ist der Hinweis auf Rosa Luxemburg Statement angebracht, dass die „Menschheit vor einem Scheideweg steht, nämlich Barbarei oder Sozialismus".

Verfassung und Zusammenstellung durch Studenten- und Bergarbeiteraktivisten/Innen – IRAN