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Länderberichte

Länderbericht Deutschland

Deutschland

Die BRD ist mit über 82.537.000 Einwohnern und 357.026 Quadratkilometern ist das größte und wirtschaftlich stärkste Land in der EU. An der Saar und Nordrhein Westfalen wird noch Steinkohle gfördert. Kohle und Stahl waren das wirtschaftliche Standbein des deutschen Imperialismus, der dafür schon zweimal einen Weltkrieg anzettelte.

Strukturkrise im Bergbau

Die meisten Bergleute gab es 1957 mit 607.000 Beschäftigten. Danach ging das erste große Zechensterben aufgrund des Strukturwandels in der Energiewirtschaft los: Kohle wurde immer mehr durch Öl ersetzt. Von 142 Schachtanlagen in den sechziger Jahren wurden 85 stillgelegt. Die Beschäftigtenzahl sank auf 183.000 mit der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) im Jahr 1969. Heute hat die DSK noch 9 Schachtanlagen mit 34.000 Bergleuten, das sind 1,1% der Erwerbstätigen in Deutschland. Die Belegschaftsstärke der Zechen schwankt zwischen 2872 und 5500 pro Schachtanlage.

Die Mann/Schichtleistung wurde von 1,6 Tonnen1957 auf 6,5 Tonnen 2003 gesteigert. Daran sieht man, wie immer mehr aus weniger Kumpels rausgepresst wird.. Im Jahr 2002 wurden 26,1 Mio. t Steinkohle gefördert. Der Absatz war bei 27,8 Mio. t.

Der RAG geht es um die beherrschende Weltmarktstellung

Mithilfe der staatlichen Subventionen entwickelte sich der RAG-Konzern zu einem internationalen Übermonopol im Rohstoff-, Maschinenbau und Chemiebereich. 2003 übernahm die RAG Degussa mit 46.615 Mitarbeitern, die in der Spezialchemie die Nummer 1 auf dem Weltmarkt ist, und stieß dafür teilweise Rütgers ab. Im Bergbau konzentriert sich die RAG auf den Kohlehandel, zur Zeit die Nummer 4 auf dem Weltmarkt, und auf die Bergbautechnik, in der sie mit der DBT (Deutsche Bergbautechnik) auf Nummer 2 steht. Unter den Voraussetzungen will sie sich von der Bergbauförderung trennen durch den Verkauf von ihren Auslandsbergwerken und weiteren Zechenschließungen in der BRD.

Massiver Lohnabbau über die Lohnbestandteile

Der Arbeitsplatzabbau ist flankiert mit massivem Lohnabbau und gesteigerter Ausbeutung. Der Bergmann fiel von der Spitze der Lohnskala in der Industrie auf das Ende und verdient heute zwischen 1100 und 3000 Euro brutto. Davon gehen ein Drittel bis die Hälfte Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-Renten-Arbeittslosen-und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Lohnsteuerab. Für die Miete fallen meist ´500 Euro aufwärts an, ein Auto mit hohen Kosten ist notwendig, Man kann sagen, dass man von dem Lohn kaum über die Runden kommt,um eine Familie zu ernähren.

Mithilfe eines Horrorkatalogs und staatlicher Umverteilungsprogramme wird der Bergmann weiter geschröpft: Das Weihnachtsgeld wurde um 500 Euro gekürzt. Hausbrand teilweise wurde für Lehrlinge und zukünftige Rentner, die ab dem 1.7.1982 angelegt wurden, gestrichen. Werksbusse wurden gestrichen, Jubilarleistungen gekürzt, bzw. gestrichen. Zechenwohnungen und Häuser werden verkauft oder instand gesetzt, verbunden mit einer drastischen Mieterhöhung. Vom Staat wurde die Kilometer-Pauschale gekürzt und Nachtschicht und andere Zulagen sollen komplett versteuert werden.

Anfahrtswege

Die Bergleute müssen heute aufgrund der Verlegungen meist 30 km und mehr fahren, um zur Arbeit zu kommen. Man ist so oft 10 – 12 Stunden unterwegs. Überschichten werden nicht mehr bezahlt, nur die Prozente. Die Schicht muss dann irgendwann abgefeiert werden.

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit

1959 wurde mit einem Marsch auf Bonn gegen die Zechenstillegungen und für die 5 Tagewoche gekämpft, sie wurde im Jahr .... durchgesetzt. Heute ist es aber trotz der 38-Stunden-Woche im Bergbau keine Seltenheit mehr, dass man effektiv 50 und mehr Stunden in der Woche arbeitet. Samstags- und Sonntagsarbeit sind schon fast zur Regel geworden. Den Bergleuten stehen 33 Urlaubstage Untertage und 30 Tage für Übertage-Beschäftigte zu.

Revolutionäre Tradition

In den fünfziger Jahren wurde der Kampf gegen die Zechenschließungen maßgeblich von der KPD geführt, bis sie 1956 verboten wurde. Daraufhin gab es in der IGBE (Gewerkschaft Bergbau Energie) eine regelrechte Säuberungswelle gegen die Kommunisten.

Um die Tradition der revolutionären Arbeiterbewegung im Bergbau zu zersetzen, wurde ein ausgeklügeltes System staatlicher Subventionen, Anpassungsmaßnahmen und Sozialpläne entwickelt, das maßgeblich die reformistische IGBE-Führung unter den Bergleuten verankerte. So gab es bis 1997 kaum Streiks auf den Schachtanlagen.

Die Gewerkschaft Energie Bergbau Chemie

In der IGBCE sind 98% der Kumpel organisiert. Bei der Anlegung auf dem Pütt wurde auch gleich die Mitgliedschaft in der IGBCE geklärt. Es war auf alle Fälle ratsam, IGBCE-Mitglied zu werden, weil Gewerkschaftsfunktionäre auch über deinen Werdegang auf dem Pütt entscheiden   können, oder eine billige Wohnung besorgen usw. Eine Stärke ist, dass es keine Zersplitterung der Arbeiter nach Berufsgruppen oder Parteizugehörigkeit gibt, die aber von der Gewerkschaftsführung nicht genutzt wird. Die Montanmitbestimmung wurde zum regelrechten Bremsklotz für die Gewerkschaft. Die IGBE war Mitgestalter der Ruhrkohle-AG und hat immer alles dafür getan, dass es ihr gut geht, nach dem Motto “geht es der Firma gut, geht es den Arbeitern gut” Es wird immer der Konsens zwischen RAG und IGBCE angestrebt und nicht von den Interessen der Kumpels. Die Führungsebene der IGBCE wird dafür auch gut geschmiert mit Aufsichtsratsposten, als Personaldirektoren oder führenden Posten in der Wohnungsverwaltung usw..

Der große selbständige Bergarbeiterstreik 1997

Im März begann ein selbständiger Streik auf Hugo, der sich auf das ganze Revier und ins Saarland ausbreitete und große Ausstrahlung auf die deutsche Arbeiterbewegung hatte. Anlass war, dass Ex-Bundeskanzler Kohl forderte, dass 70.000 Arbeitsplätze im Bergbau vernichtet werden sollten.Es kam die Zentrale Forderung auf “ Der Dicke muß weg ”

Der Vortrieb

Das war auch die Geburtsstunde der Bergarbeiterzeitung Vortrieb für alle Zechen, die bisher nur auf Hugo von Kumpels rausgegeben wurde. Der Vortrieb erwarb sich große Vertrauen unter den Kumpel. Er fasst die Erfahrungen und Probleme der Bergleute zusammen und macht Vorschläge, worauf es ankommt.

Kumpel-für-AUF

Im Jahr 1999 entstand die Bewegung “Kumpel-für-AUF”, Inzwischen gibt es KFA auf allen Schachtanlagen. Sie ist aus dem Personen-Wahlbündnis AUF Gelsenkirchen entstanden und bildete inzwischen einen Grundstock für weitere Kommunalwahlbündnisse. Der Vorschlag für einen neuen Kohlevertrag mit Forderungen zur Verteidigung der Arbeits- und Ausbildungsplätze und der sozialen Rechte wurde von über 10.000 Menschen unterschrieben.

MLPD

Die MLPD (Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands) hat als einzige Partei aktive Betriebsgruppen auf den Pütts. Sie verkauft auch wöchentlich die Rote Fahne vor den Toren der verschiedenen Standorten der DSK. Die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) hatte auch Betriebsgruppen, die sich inzwischen auflösten. Die SPD hatte früher auf den Zechen einen starken Rückhalt, der aber zur Zeit wie Sand zwischen den Fingern zerrieselt.

Vorwärtstreibend im Kampf gegen die Regierung

Das Klassenbewusstsein der Arbeiter in Deutschland ist seit den Massenkämpfen 1996 für den Erhalt der Lohnfortzahlung erwacht, wurde zunehmend politisiert und richtet sich verstärkt gegen das zutiefst volksfeindliche Programm “Agenda 2010” der Regierung, die das Sozialversicherungssystem zerschlagen will. Das kam auf der Massendemonstration mit 100.000 Teilnehmern am 1.11.03 in Berlin und bei den Massendemonstrationen in Köln, Stuttgart und Berlin mit über 500000 Teilnehmer am 3. April 04 zum Ausdruck, an denen sich viele Bergleute beteiligten.

Große Herausforderungen

... erwarten die Kumpels. So soll diese Tage durch den RAG-Aufsichtsrat entschieden werden, wie es mit dem nationalen Bergbau weitergeht. Weitere Zechenschließungen werden bekannt gegeben. Die Bergleute stehen vor der Entscheidung, dagegen einen Streik auf allen Pütts zu organisieren, ihn mit dem Kampf gegen die Regierung zu verbinden und ihre Organisiertheit zu erhöhen.