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Länderberichte

Länderbericht Südafrika

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Südafrika als traditioneller Rohstoff- und Arbeitkräftelieferant für das internationale Großkapital

Südafrika ist eine der bedeutendsten Rohstoffkammern der Welt, um die sich seit der Entdeckung der reichen Bodenschätze etwa um 1870 die imperialistischen Großmächte, an der Spitze die holländischen und englischen Kolonialisten schlugen.

Der Bergbau bestimmte neben der Landwirtschaft (Produktion von Wolle) über lange Zeit die wirtschaftlichen Geschicke des Landes (Gold, Diamanten, Uran, Platin). In den 1930er Jahren arbeiteten über 300.000 schwarze Arbeiter in den Goldminen. Noch in den 1970er Jahren produzierte Südafrika 75% der gesamten Goldförderung der Welt. Heute liegt der Anteil unter 17%.

Die südafrikanische Steinkohle war dagegen vor allem die Grundlage für den Aufbau der Industrie in Südafrika, die nach dem I. Weltkrieg in wenigen Jahren aus dem Boden gestampft wurde. In den 20er Jahren besaß Südafrika nach Russland die modernsten großindustriellen Anlagen der Welt. Noch heute ist Steinkohle mit Abstand der Hauptenergieträger des Landes (Das Benzin ist zum Großteil auf Synthesebasis aus Kohle). Südafrika besitzt nämlich keine Erdölresourcen und war von den Hauptölzufuhren lange ausgespart.

Es gibt in Südafrika zwei große Steinkohleressourcen und Steinkohlefelder, die folgende Lage und Besonderheiten aufweisen:

Das klassische Mpumalanga-Revier liegt relativ nahe der Industrieregionen Südafrikas, aber relativ weit (625 km) zum Hafen Richards Bay.

Das neue Revier, die Waterberg-Kohlefelder zur Grenze Botswana, Zimbabwe, Mosambik gelegen ist weniger an Ballungsräume angebunden und schwerer erschließbar. Der nächste Hafen ist in Mosambik (Maputo) und mehr als 1000 km entfernt. 40% der Kohle wird im Tagebau gefördert. Der Tiefbau ist nicht mit unserem in Deutschland vergleichbar. Die flache Flözlagerung begünstigt einen Abbau in Tiefen von kaum mehr als 200 Meter. Angewandte Bergbautechnik dabei ist der Kammer/Pfeiler Abbau, auf den über 90% der Tiefbauförderung entfallen, während die Strebtechnik nur in Ausnahmefällen eingesetzt wird.

Die fast ausschließliche Rolle der Steinkohleproduktion für die einheimische Industrie hat sich inzwischen geändert. Nach wie vor ist sie zwar die hauptsächliche nationale Energiebasis. Dazu kam aber ab den 1970er Jahren, dass die Steinkohle mehr und mehr zu einem der Hauptexportartikel unter den südafrikanischen Bergbauprodukten wurde. Heute ist Südafrika das fünftgrößte Steinkohleförderland der Welt und es steht nach Australien an zweiter Stelle des Steinkohleexports. Heute bestimmt das Angebot südafrikanischer Kohle auf dem Weltkohlemarkt wesentlich den Weltmarktpreis für Steinkohle auf der westlichen Hemisphäre im atlantischen Raum (Australien spielt gegenwärtig diese Rolle hauptsächlich im asiatischen pazifischen Raum). Haupteinfuhrländer südafrikanischer Steinkohle sind die westeuropäischen Länder mit Deutschland an der Spitze.


Ausplünderung und Ausbeutung unter der Knute des Kolonialismus

Die Arbeitsbedingungen und Kampferfahrungen der Bergarbeiter in Südafrika wurden wesentlich durch die koloniale Unterdrückung mit der Besonderheit der rassistischen Apartheid geprägt. Deshalb müssen wir im Rahmen des Länderberichts näher darauf eingehen.Mit seiner reaktionären Politik der Rassentrennung war Südafrika der letzte Hort des Kolonialismus alter Prägung bis Ende der 1980er Jahre.Warum hat Südafrika diese besondere Form der Apartheid hervorgebracht? Rohstoffe sind völlig wertlos, wenn sie nicht durch Arbeitskräfte zu Tage gebracht und bearbeitet werden. Die Plantagen und Bergwerke mit ihrer geringen Mechanisierung erforderten eine riesige Zahl von Arbeitskräften. Ein Problem für die kapitalistische Entwicklung war, dass der Süden Afrikas sehr dünn besiedelt war und zudem durch die koloniale Eroberung ganze Völker ausgerottet wurden. Der Bedarf ließ sich nur durch eine geringe Zahl von Zuwanderern decken. Deshalb verhinderten die Kolonialherren mit drakonischen Strafen die Abwanderung der einheimischen Bevölkerung und zwangen sei gleichzeitig in Reservate und pferchten sie in elende Arbeitslager und Fabrikquartiere. Das wurde mit einer reaktionären Ideologie gerechtfertigt, nach der die weiße Rasse von Gott und Natur zum Herrschen und die minderwertige schwarze Bevölkerung zum Dienen und Gehorchen bestimmt sei.30.000 Weiße hatten Führungs- und Aufsichtsfunktionen über 300.000 schwarze Arbeiter in den Goldminen. Dazwischen waren Einwanderer aus dem asiatischen Raum, die wiederum gegenüber den einheimischen Schwarzn bessergestellt waren. Ein weißer Arbeiter hatte in den 30er Jahren einen zehn mal höheren Lohn als ein schwarzer Arbeiter für die gleiche Arbeit. In den Fabriken und Gruben wurden die Angehörigen der verschiedenen Volksgruppen gegeneinander ausgespielt und die Konkurrenz mitunter bis zu blutigen Auseinandersetzungen angestachelt. Das wurde zudem erleichtert, da die schwarze Bevölkerung kein Recht auf Bildung besaß, zumeist nicht lesen und schreiben konnte und über den Horizont der ihnen zugewiesenen Homelands und Townships zeitlebens nie rauskam. Trotz dieser Bedingungen verbreiteten sich sozialistische Ideen vor allem unter den Industriearbeitern relativ rasch.Diese Fesseln der Apartheid haben bis heute tiefe Spuren der Zerrissenheit unter den Volksmassen und auch politische und kulturelle Strukturen hinterlassen und ohne dies zu beachten, kann weder der Kampf der Bergarbeiter noch die Kämpfe der übrigen Industriearbeiter und der Volkmassen gegen Ausbeutung und Unterdrückung entwickelt werden.

 

Der Aufstand der Völker im Süden Afrikas beendete die letzte Bastion des Kolonialismus auf der Welt

Der Kampf der Bergarbeiter ordnet sich in die Tradition des Kampfes der Völker im Süden Afrikas gegen den Kolonialismus und Neokolonialismus für soziale und nationale Befreiung ein. Diese erfolgte in bisher vier Perioden:

  1. Erste Periode: Das waren die heroischen Aufstände gegen die eindringenden Kolonialisten. In unserer Geschichtsschreibung gingen sie als „Kaffernkriege, Hottentottenaufstände" ein. Sie bleiben in Afrika unauslöschlich im Gedächtnis der unterdrückten Massen.
  2. Zwei Quellen des nationalen Freiheitskampfes leiteten um 1920 die zweite Periode des Kampfes der Massen ein: die religiöse-bürgerlich und kleinbürgerliche und die proletarische Bewegung. Erstere ist nicht zu verwechseln mit der reaktionären christlichen Missionarstätigkeit, die ein Instrument der imperialistischen Unterwerfung ist. Sie prägten die bekannte Losung „Afrika den Afrikanern". Aus ihr ging der spätere ANC hervor. Die proletarische Bewegung entwickelte sich ausgehend von der damals weltweiten Ausstrahlung der russischen Oktoberrevolution und erstarkte mit der Entstehung eines Industrieproletariats. Der erste Massenstreik der Arbeiter in Johannesburg war 1928 und jagte den mächtigen Herren der Großfarmen und Bergwerksbesitzern Angst und Schrecken ein. Es folgte unter Einfluss der noch jungen Kommunistischen Partei 1930 der erste Generalstreik in den Minen und die Gründung der ersten Gewerkschaft der Eingeborenen. Sie brachten ein neues Selbstbewusstsein der schwarzen Arbeiter zum Ausdruck. Mit den Arbeiterkämpfen als Rückgrat wuchs auch die nationale Volksbewegung gegen die Apartheitspoltik, auf die die herrschende Klasse mit brutalen Unterdrückung reagierte. (Stichworte dafür sind das Massaker von Sharpeville und die Verhaftung und lebenslange Verurteilung Mandelas, die Unterstützung mit Waffenlieferungen, siehe die Rolle von F.J. Strauß)
  3. Die dritte Periode leitete den Niedergang des Apartheidregimes ein. Zum Symbol wurde der Aufstand in Soweto. Der Massenkampf und die internationale Solidarität vertiefte die Krise des Apartheitsregimes. Es geriet in die Isolation und in eine Sackgasse. Dazu kam, dass sich die bewaffneten Befreiungskämpfe im ganzen Süden Afrikas (Angola, Mosambik, Zimbabwe) mit den Kämpfen in Südafrika verbanden und gegenseitig befruchteten. Der Streik der Kohle-Bergarbeiter 1987 bildete ein Rückgrat für die landesweite Erhebung. Das alte Apartheitsregime musste der Bevölkerung erstmals bürgerlich-demokratische Rechte zugestehen. Mit der Wahl Mandelas zum ersten Staatspräsidenten 1994 mussten auch die verhassten Repräsentanten der Apartheid von der Bühne der Geschichte abtreten.
  4. Die vierte Periode des Kampfes der Bergarbeiter wurde in den 1990er Jahren eingeleitet. Diese wurde durch tiefgreifende ökonomische Veränderungen eingeleitet.


Südafrika im Wandel durch die Einbindung in die Neuorganisation der internationalen Produktion.

Die Bergbaukrise zu Beginn der 90er Jahre und die Umwälzung der politischen Verhältnisse im Lande hatten weitreichende Auswirkungen auf die Lage der Bergarbeiter. In Südafrika fand nach dem Zusammenbruch des Apartheid Regimes eine komplette Umstrukturierung des Kohlebergbaus statt. Während des Apartheidregimes gehörte der südafrikanische Bergbau im wesentlichen einigen reichen, weißen, südafrikanischen Familien: den Oppenheimers, den Hersovs, den Menells, etc.). Diese Familien herrschten vergleichbar mit den ehemaligen Kohlebaronen bei uns. Heute beherrschen im wesentlichen vier multinationale Konzerne den Steinkohlebergbau Südafrikas: BHP-Billiton (Ingwe), Anglo Coal, Sasol, und Xstrata Plc. (hierzu gehört heute auch Duiker). Im Jahre 2000 kontrollierten sie 91% der Gesamtproduktion und 99% der Gesamtexporte Südafrikas.Während es 1980 noch 128 000 Kollegen waren, verblieben im Jahr 2000 nur noch 51000. Besonders stark war der Rückgang zwischen 1991 und 1993. Hier sank die Zahl der Beschäftigten innerhalb von zwei Jahren von 96000 auf 61000 Kollegen! Auffällig ist, dass in diesen Jahren von 1991 bis 1993 die Produktion nicht zurückging, sondern weiter stieg (von 178 Mio To im Jahr 1991 auf 183 Mio To im Jahr 1993) Dies kann man sich nur mit einerungeheuren Mechanisierung in kürzester Zeit erklären!

Die südafrikanische „chamber of mines" – vergleichbar etwa bei uns dem Steinkohleverband – rühmt sich, diesen Prozeß mit Sozialplänen ruhig über die Bühne gebracht zu haben - mit Hilfe von Abfindungen, Umschulungen usw. usw. Seit 1987 hat es keinen größeren Streik der Bergleute in Südafrika mehr gegeben.Perspektive des Steinkohlebergbaus. Die 4 bestimmenden südafrikanischen Steinkohlekonzerne sind im Konkurrenzkampf zu den amerikanischen, australischen und zur RAG zu Global Playern aufgestiegen, die sich weltweit in Kohlegruben einkaufen. Mit einem erheblichen Rückgang des Kohleabbaus in den nächsten 10 Jahren in SA ist zu rechnen, da die bisherigen billigen Kohlereviere (mit Tagebau, oder höchstens bis 200 m Teufe) erschöpft sein werden.


Leben und Kampf der südafrikanischen Bergarbeiter gegen die Folgen der neokolonialen Apartheitspolitik

Die Wurzeln der Apartheimspolitik sind noch nicht beseitigt. Die schwarze ANC-Regierung stützt ihre Herrschaft auf alte Strukturen und hat die Formen der Klassenunterdrückung verfeinert. Man kann heute von einer neokolonialen Apartheitspolitik, die die herrschende ANC im Auftrag des IWF durchführen, sprechen. Das muss von den Arbeitern erst bewusst verarbeitet werden. Die Bergarbeiterbewegung in Südafrika muss dabei mit einer Reihe besonderer Probleme fertig werden:

  1. 2Sie muss den Kampf um menschenwürdige Lebensbedingungen in den Wohngebieten führen, für eine ausreichende Grundversorgung mit Wasser, Strom usw. gegen die Folgen der Privatisierung und gegen die verheerenden Auswirkungen der AIDs-Epidemie, von der heute 25% der Bergarbeiter infiziert sind.
  2. Sie muss den Kampf um die Überwindung nationaler und kultureller Schranken und Vorbehalte führen.

Der Kampf gegen die Zersplitterung der Arbeiterklasse, Analphabetismus und Rückständigkeit als Hinterlassenheit der Apartheid.
Der Kampf gegen die Ausbeutung in den Minen muss sich gegen die Klassenzusammenarbeit der Gewerkschaftsführung
durchsetzen, deren Ergebnis ist, dass es seit 1987 keinen landesweiten Streik der Bergarbeiter mehr gab und Südafrika weltweit mit die niedrigsten Lohnkostenanteile am Kohleumsatz hat.
Der Kampf gegen Isolation der Masse der einfachen Bergarbeiter innerhalb des Landes und für die Herstellung einer offene internationale Zusammenarbeit und Arbeitereinheit auf der Grundlage des Kampfes.
Stärkung der Organisiertheit der Bergarbeiter