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Länderberichte

Indien Länderbericht 2008

Grunddaten:
1132 Mio. Einwohner (17,1% der Weltbevölkerung)
440 Mio. t Steinkohle/Jahr (2007) (Rang 3)
443.000 Bergleute (2006).

28 Bundesstaaten, 15 Hauptsprachen, 1.600 weitere Sprachen und Dialekte

Indien war bis 1947 englische Kolonie, seit 1947 formal unabhängig

Hauptreligionen: Hinduismus, Islam, Christen und Sikhs

1/3 Analphabeten, aber jährlich 500.000 neue IT-Spezialisten (4x soviel wie die USA)

26 Prozent leben von weniger als 1 Dollar am Tag und 75 Prozent von weniger als 2 Dollar

41 Mio Tonnen Kohle im Jahr 2006, importiert, Tendenz steigend; 90% der Kohle werden verstromt

gewaltige Kohlevorräte: Jharkand, Orissa, Chattisgarh, Andrah Pradesh und Westbengalen.

Die Kohle kann wahlweise im Tagebau (Förderleistung 8 bis 10 Tonnen/Mannschicht)
wie auch untertägig abgebaut werden (Förderleistung ein Zehntel, im Handbetrieb, primitivste Sicherheitsmaßnahmen)

Indien ist ein riesiges, durch den englischen Kolonialismus „zusammengezimmertes" Land. Der Unterschied zwischen Reichtum und Armut ist krass.

Die Bestrebungen, durch Privatisierung der noch weitgehend verstaatlichten Kohleproduktion die Produktivität zu erhöhen, kommen nur langsam voran. Sie scheitern bisher vor allem am Widerstand der Bergarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verteidigen.

Kämpfe der Bergarbeiter werden brutal durch die Polizei unterdrückt. Weitere Kernfragen, mit denen die Kumpel fertig werden müssen, sind vor allem die Spaltung in fest angestellte Arbeiter und befristet angestellte bzw. Gelegenheitsarbeiter. Sie machen rund 50% der Belegschaften aus mit ca. 1/5 des Lohnes. Weiter wird Spaltung durch Konkurrenz zwischen den Zechen, um die Rentabilität und Spaltung gegen die vermeintlich rentablere ausländische Kohle betrieben.

Die Bergleute sind in hohem Maße gewerkschaftlich organisiert. Die Kampfkraft wird durch eine ausgeprägte Zersplitterung der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung gehemmt. Es gibt eine Vielzahl von Gewerkschaften auf jeder Schachtanlage durch Bezug auf die jeweilige Kohlegesellschaft und parteipolitische Bindung. Für die Durchführung von Kampfmaßnahmen werden Aktionskomitees (Joint Action Committee) gebildet, oder es kommt zu Kämpfen, geführt von einzelnen Gewerkschaften. Die Hauptforderungen der Gewerkschaften sind: Bessere Arbeitsbedingungen, mehr Sicherheit (30 tödliche Unfälle im Jahr), besseres Material, mehr Pausen (bis zu 12-Stundentag), gutes Trinkwasser, medizinische Versorgung, bessere Bewetterung.

Seit Mitte der 1990er Jahre kam es zu verschiedenen Kämpfen, an denen sich jeweils 50.000 bis 120.000 Kumpel beteiligt haben. Das Zentrum der Kämpfe war in Andrah Pradesh. Mitte der 1990er Jahre wurde um die 30-Stundenwoche gekämpft.

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Krasse und wachsende soziale Gegensätze

Während die Wirtschaft jährlich um ca. 8% wächst, verschlechtert sich die Lage für die breiten Massen.

In hunderte geplante Sonderwirtschaftszonen, für die zigtausende Bauern ihre Existenzgrundlage verlieren werden, investieren die größten internationalen Konzerne der Elektro-, Auto – und Chemieindustrie. Zugleich wächst ein neues, in den industriellen Zentren konzentriertes Industrieproletariat heran.

Unter den 10 reichsten Männern der Welt befanden sich 2007 vier Inder, während in den letzten 10 Jahren 100.000 Bauern den Freitod suchten, weil sie durch die internationalen Saatgut- und Handelskonzerne in eine hoffnungslose Verschuldung getrieben wurden.

Die Löhne sind noch niedriger als in China.

Privatisierung der nationalen Grundstoffindustrie

Indien hat mit Mittal (Stahl) oder Reliance (Petro-Chemie) inzwischen Konzerne, die ihrerseits auf dem Weltmarkt agieren. Dafür wurde die Stahlindustrie weitgehend privatisiert und die gleichen Pläne bestehen für die Kohle, deren Verstaatlichung 1972 die Grundlage der eigenständigen wirtschaftlichen Entwicklung war.

Der Anteil privat geförderter Kohle stieg von 59.000 Tonnen (2000) auf 5 Mio Tonnen. Eigentümer der privaten Kohlegesellschaften sind indische Stahl- und Kraftwerkskonzerne, darunter Tata und Ispat.

Im Mai 2000 gab es einen ersten eintägigen landesweiten Streik zusammen mit den Transportarbeitern und Bankangestellten gegen die Privatisierungspolitik mit Millionen Teilnehmern. Entscheidend wird, wie die Kämpfe der Arbeiter der Stahl- und Bergbaubetriebe und in den neuen Produktionszentren branchenübergreifend geführt werden.
Steigende Kohleförderung, sinkende Zahl der Bergarbeiter

Die Förderung wurde in den letzten Jahren kontinuierlich auf 403 Mio. Tonnen (2007) gesteigert. Bei der staatlichen Coal India Limited (CIL) waren 1995 noch 640.000 Kumpel beschäftigt und Ende 2006 noch 443.000 Kumpel. Der Gegner der Kumpel sind die staatlichen nationalen Gesellschaften und die Staats- und Zentralregierung, wobei es Verflechtungen mit den internationalen Bergbaumonopolen gibt, die einen Teil der Ausrüstungen liefern (vor allem DBT/Bucyrus und US-Konzerne; z. T. China; Bandtechnik von Krupp, Sicherheitstechnik von Draeger usw.). Der Baukonzern Hochtief hat den Auftrag eine neue Anlage in Chitwal zu errichten.

Die Bergarbeiterbewegung

Die Mehrzahl der Bergarbeiter ist in einer der beiden großen (vergleichbar den sozialdemokratischen bzw. revisionistischen) Gewerkschaften organisiert. Wenn es um die Organisierung von Kämpfen geht, folgt aber die Masse der Arbeiter der Führung der kämpferischen und revolutionären Gewerkschaften.

Die IFTU hat Ende der 90er Jahre einen wichtigen Kampf für die Einführung des 6-Stundentages bei vollem Lohnausgleich geführt. Heute wird eine weltweit einheitliche Forderung im Prinzip unterstützt, allerdings könne es bei ihnen noch nicht um den 6-Stundentag gehen, da sie bis zu 12 Stunden arbeiten.

Die 443.000 Bergarbeiter sind in Indien mit offiziell 360 Millionen Beschäftigten, davon 70 Millionen in der Industrie, ein kleiner Teil der Arbeiterklasse. Die Konzentration in bestimmten Regionen spielt aber eine wichtige Rolle für ihre Schlagkraft. Dazu gehört die unmittelbare Nachbarschaft zur dschungelartigen Waldregion. Dort haben bewaffnete Schutzeinheiten von revolutionären Parteien, gestützt auf die Bauern, Selbstverteidigungsgebiete gebildet. Wichtige Verbündete sind die Selbstorganisationen der umliegenden Dörfer, wo vielfach fortschrittliche Kräfte den Bürgermeister stellen, wobei wiederum die Frauen und Frauenorganisationen eine entscheidende Rolle spielen. So wurden wichtige Streiks begleitet von allgemeinen Boykottmaßnahmen (Schließung aller Geschäfte usw.) sowie von Straßenblockaden.