Wer wir sind

logo

Sprache wählen

Suche

Kolumbien: Interview mit Igor Díaz, Vorsitzender der Bergarbeitergewerkschaft Sintracarbón

über den Streik der über 9000 Bergleute der Übertagemine von El Cerrejón, wo er selbst beschäftigt ist. Wie ist die aktuelle Situation im Streik? Wir streiken seit 24 Tagen. Seither gab es keinen Kontakt mit der Gegenseite. Nur eine Antwort auf den „Fahrplan“, den die Regierung entwickelt hatte, um zu einem Dialog zu kommen. Darin bleibt Cerrejón bei den Positionen, die uns zum Streik gezwungen haben: Zum einen bleiben sie dabei, über Jahre erkämpfte tarifliche Leistungen abzubauen.

Zum anderen bestehen sie unerbittlich auf die Einführung einer weiteren Zwölf-Stunden-Schicht, die den Abbau von 1250 Arbeitsplätzen bedeuten würde - auf Kosten der Gesundheit, des Lebens und der Familien der Bergleute. Wir nennen sie die „Todesschichten“ Wie ist die Lage unter den Streikenden Die Streikfront steht! Auch wenn die Situation durch die Lohneinbußen schwierig ist. Aber die Kumpel werden nicht zurückweichen. 99.3 Prozent haben für Streik gestimmt und kämpfen, bis es eine echte Änderung in der Haltung des Konzerns gibt Die Mehrheit der Kumpel ist gewerkschaftlich organisiert, auch viele der bei Subunternehmen beschäftigten Kumpel. Schwieriger ist es mit den zeitlich befristet eingestellten Kollegen. Aber auch sie konnten wir überzeugen und die große Mehrheit unterstützt den Streik Wie führt ihr den Streik durch Wir haben Streikposten eingerichtet, führen aber auch außerhalb in Städten und Dörfern der Region Aktivitäten durch, wie Demonstrationen, auch mit Kochtopfschlagen, Veranstaltungen, gemeinsame Zusammensein mit der Bevölkerung Der Konzern El Cerrejón hat gedroht, humanitäre Leistungen, wie die Lieferung von Wasser an die Gemeinden einzustellen und die Streikenden dafür verantwortlich zu machen. Was sagst Du dazu Das gehört zur Manipulation womit Cerrejón versucht, die Menschen gegen unseren Streik aufzubringen. Dabei haben wir von uns aus jederzeit die Hilfe für die Bevölkerung abgesichert trotz des Streiks, das betrifft zum Beispiel Wasserlieferungen, Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 usw. Doch unsere Aktivitäten in den Gemeinden haben wir mit intensiver Informationsarbeit verbunden, damit die Leute verstehen, worum es uns geht. Daher ist die Solidarität sehr breit. Auch international bekommen wir sehr viel Solidarität, unter anderem von IndustrieAll, auch aus der IG Metall und von der IG BCE Es gab auch eine Solidaritätserklärung der Internationalen Bergarbeiterkoordination Diese habe ich persönlich noch nicht gesehen, bitte schickt sie nochmals, dann werde ich mich auch bedanken Welche Verbindung gibt es zu den großen Volksprotesten in Kolumbien Die Verbindung ist eng. Wir beteiligten uns am 21. September an den landesweiten Protesten und dort wurde auch die Solidarität mit unserem Streik demonstriert. Die Proteste richten sich gegen die Regierungspolitik zugunsten der Großkonzerne, dafür will die Regierung Arbeitsrechte zugunsten der Unternehmer abbauen. Sie richteten sich auch besonders gegen die brutale Polizeigewalt und Morde an Aktivisten. Das betrifft auch uns Bergleute. Gerade als Gewerkschafter werden wir oft bedroht. Aber wir lassen uns davon nicht vom Kampf abhalten Den Kollegen in Deutschland schicke ich solidarische Grüße. Und wir brauchen Eure Solidarität. El Cerrejón liefert Kohle zum Beispiel an RWE nach Deutschland. Eure Solidarität kann den Druck erhöhen, so dass der Konzern auf unsere Forderungen eingeht