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Chile: Arbeiter in größter Kupfermine streiken erneut

180813chileKSantiago de Chile. Die Produktion der wichtigsten Kupfermine Chiles soll in Kürze stillstehen. Grund dafür ist ein neuer Streik der Gewerkschaft des Unternehmens Minera Escondida, die bisher zu keiner Einigung mit dem Unternehmen kommen konnte. Die Regierung zeigt sich beunruhigt und ruft zum Dialog auf.

Mit einer Zustimmung von 84 Prozent haben die Mitglieder der "Gewerkschaft Nr. 1" von Minera Escondida, der größten Arbeitervereinigung des Unternehmens, beschlossen, das bisherige Angebot des Bergbauunternehmens abzulehnen und in den Streik zu treten.

Wie Anfang 2017 kämpfen die Arbeiter auch dieses Jahr wieder gegen die Flexibilisierung ihrer Arbeit sowie für eine Gehaltsanpassung. Das Unternehmen reagierte auf die Forderungen der Gewerkschaft mit einem Angebot von einer Gehaltsanpassung von einem Prozent sowie einer einmaligen Zahlung von 24.000 Euro (18 Millionen chilenische Pesos) pro Gewerkschaftsmitglied. Die Arbeiter forderten allerdings eine Kompensation von 34,5 Tausend Euro (25,9 Millionen chilenische Pesos) pro Person sowie 542.000 Euro (406 Millionen chilenische Pesos) für die Verbesserung der Infrastrukturen der Gewerkschaftssitze.

(Bild: Quelle: Nasa Lizenz: Public domain)

Außerdem fordern sie die Errichtung von Sportstätten und die Bereitstellung von Unterkünften in Santiago und Antofagasta für Gewerkschaftsmitglieder, die darauf angewiesen sind. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Streiks ruft Minera Escondida nun die Arbeiter zur Einigung und warnt, dass ein Streik auch negative Folgen für die Arbeiter und ihre Familien haben würde. Patricio Vilaplana, sagte im Namen des Unternehmens "wir alle verlieren bei einem Streik, diese Erfahrung haben wir 2017 gemacht und ich denke das niemand diese Situation wiederholen möchte".
La Escondida wird vom Bergbauunternehmen Minera Escondida ausgebeutet, das mehrheitlich dem transnationalen Unternehmen BHP Billiton gehört. Es ist die Mine mit der weltweit höchsten Kupferförderung, deren Produktion außerdem 20 Prozent des gesamten chilenischen Bergbaus ausmacht. Das entspricht elf Prozent des chilenischen Bruttoinlandsproduktes.
Finanzminister Felipe Larraín hofft deshalb auf eine baldige Lösung zwischen beiden Konfliktparteien und betont, dass ein Streik der Arbeiter schädlich für das ganze Land sei. Auch Baldo Prokurica, Minister für Bergbau, betont die Nachteile eines Streiks sowohl für Arbeiter, als auch für die chilenische Wirtschaft. Er erinnert an die schwerwiegenden Folgen die der Streik derselben Gewerkschaft Anfang 2017 mit sich gebracht hatte und fügt hinzu "wir sind das attraktivste Land für (Auslands-) Investitionen und diese Situation gefährdet unsere Glaubwürdigkeit in der Welt".
 Anfang 2017 hatten die Mitglieder der Gewerkschaft Nr. 1 von Minera Escondida für 44 Tage ihre Arbeit niedergelegt, was für das Unternehmen Verluste in der Höhe von 740 Millionen Dollar bedeutete. Auf nationaler Ebene führte der Stillstand der Mine zu einem Rückgang der chilenischen Wirtschaft um 1,3 Prozent. Der Ursprung der Streiks liegt vorwiegend in den Konsequenzen der fallenden Rohstoffpreise. Ab 2014 bekamen besonders die Arbeiter diese zu spüren: Es kam zu Lohnsenkungen sowie massenhaften Entlassungen im Bergbausektor. Die Arbeiter wurden damals vom Unternehmen aufgerufen "ihren Gürtel enger zu schnallen". Die Streikenden von 2017 forderten eine Lohnerhöhung von sieben Prozent und kämpften gegen die Einschränkung der Arbeitsrechte, die Verlängerung der Arbeitszeiten, schlechtere Arbeitsverträge für Neuangestellte bzw. die Einstellung dieser als Leiharbeiter und gegen das "einfrieren" der Löhne trotz steigender Inflation. Trotzdem wurden sie vom Unternehmen, den Medien und der Regierung als "Verteidiger ihrer Privilegien" bezeichnet.
180813chileAbstimmungVor dem Hintergrund, dass schon 2017 die Verhandlungen für die Arbeiter nicht vorteilhaft verlaufen sind und diese sich derzeit wieder an "einem toten Punkt befinden" bereiten sich die Gewerkschafter derzeit auf eine ähnliche Situation wie 2017 vor. Nach der Abstimmung am Donnerstag der vergangenen Woche, in der die Gewerkschaftsmitglieder mehrheitlich für den Streik stimmten, hatte das Unternehmen laut einer offiziellen Mitteilung der Gewerkschaft bis zum 6. August Zeit, um den Streik zu verhindern. Da dies nicht geschehen ist, plant die Gewerkschaft ab vorerst mindestens einen Montag zu streiken. Laut Experten wie Gustavo Lagos von der Universidad Católica hätte ein Streik dieses Jahr viel stärkere Konsequenzen für die chilenische Wirtschaft, da die Produktion 37 Prozent höher ist, als im vergangenen Jahr. Die Ökonomin Valentina Rosselli geht sogar davon aus, dass ein längerer Stillstand des Unternehmens Minera Escondida die weltweiten Kupferpreise erhöhen könnte.