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Länderbericht Rumänien

Rumänien liegt in Südost-Europa am Schwarzen Meer. Es grenzt an fünf Länder: Bulgarien, Serbien, Ungarn, Ukraine und Moldawien. Die Donau, der längste Fluss Europas, bildet die Südgrenze. Sein Delta zählte zu den letzten großen Naturreservaten der Erde mit seinen Schilfgürteln, Auwäldern, Pelikanen und Wildpferden.
Das Land hat 19,3 Millionen Einwohner; da­ von sind 1,2 Millionen Ungarn, 0,6 Millionen Roma und Sinti und ca. 60.000 Rumänien­ deutsche. Zur Landessprache rumänisch werden weitere 18 Sprachen gesprochen.
Die Karpaten durchziehen das Land von Nord nach Südwest in einer Schleife. Hier befinden sich auch die Bodenschätze wie Erdöl, Gas, Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Kohle, Uran und Salz, um nur die wichtigsten zu erwähnen. Abgebaut werden noch Kohle, Gold, Uran, Kupfer und Salz.
Das Brutto Inlandsprodukt beträgt 186 Milliarden € (Stand 2015). Die ca. 9 Millionen Beschäftigen verteilen sich wie folgt: Dienstleistung 45%, Industrie 30 %, Forst- und Landwirtschaft 25%.
2004 trat Rumänien der NATO bei und 2007 wurde es Mitglied in der Europäischen Union.

Nach der Wende 1989, als der Ostblock sich auflöste, sind große Teile der Industrie privatisiert worden. Leute aus dem Geheimdienst und der alten Kommunistischen Partei haben sich dadurch ein großes Vermögen ergattert und werden heute als Oligarchen gehandelt. Alle großen westeuropäischen Konzerne produzieren wegen des Niedriglohns in Rumänien. Gleichzeitig ist der Handel und die Lebensmittelversorgung in Händen von Großkonzernen, wie ALDI, Lidl, Metro oder Auchan.

Das rumänische Bankwesen wird von französschen, italienischen und östereichischen banken kontrolliert. An der Erdöl- und Erdgasgewinnung ist der östereichische Konzern OVM mit 51 % beteiligt.
Das Landgrabbing hat auch die rumänische Landwirtschaft erfasst. Man schätzt, dass 40% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in ausländischer Hand ist. Dazu zählen  Privatpersonen aus dem Libanon, Fonds, Banken und sogar die schwedische Königsfamilie ist mit von der Partie. Die Güter sind meistens größer als 600 ha und produzieren hauptsächlich für den Export.
Was den Lebensstandard betrifft, liegt Rumänien in der EU an unterster Stelle. Mangels Arbeit sind ca. 2 Millionen Menschen vor allen aus der Provinz in die westlichen EU-Staaten gezogen.
Ein großes Problem stellt die Korruption im Land dar. Es gibt kaum einen Politiker oder Amtsträger gegen den nicht ein Verfahren läuft oder der nicht schon verurteilt wurde.

Kurze Charakterisierung der Entwicklung im Bergbau eures Landes

Nach der Wende 1989 verfolgten die nachfolgenden Regierungen eine neoliberale Politik. Der gesamte Bergbau stand zur Disposition, da sie auf einmal in Konkurrenz zur Welt-wirtschaft standen. Die interessanten Objekte wie Gold- und Kupferbergwerke wurden an kanadische Konzerne verkauft. Die verbliebenen Bergwerke blieben unter staatlicher Aufsicht mit der Vorgabe, die Subventionen peu a peu abzubauen. Die Auflagen von EU und IWF verschärften diesen Kurs.
Mit der Begründung näher am Ort des Geschehen zu sein, wurden das staatliche Bergbau-Unternehmen in mehrere Holdings aufgespalten; eine für den Steinkohlebergbau (Compexul Enegie Hunedoara), die ca. 8% zur Energieerzeugung beiträgt und mehrere Braukohleholdings (Compexul Energie Oltenia), die ca. 30% Anteil an der Energie-erzeugung hat.
Der Steinkohlebergbau befindet sich im Schiltal in der Mitte der Südkarpaten. Von ehemals 14 Zechen (Stand 1989) sind noch vier übriggeblieben. Die weitere Planung sieht vor, dass nach 2018 noch zwei Zechen für jeweils zwei Wärmekraftwerke übrig bleiben.

Seit dem Niedergang des Ostblocks im Jahre 1989 findet hier ein zum Teil erbittert geführter Kampf, um die Erhaltung der Zechen und deren Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen sind vorsintflutlich. Es kommen Presslufthammer, Spitzhacke, Schaufel, und altersschwache Förderaufzüge zum Einsatz. Die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen sind für die schweren Unfälle 2006 in Anina mit sechs und in Petrila 2008 mit dreizehn Toten verantwortlich. Trotzdem stehen die Kumpels nach wie vor zu ihren Zechen, wie die vielen Videos bei der letzten Schließung der Zechen Petrila 2013 zeigen. Zur Zeit Ceausescus, also in den 70er Jahren, waren hier noch über 40.000 Kumpels beschäftigt. Heute arbeiten bei der Steinkohleholding (CEH) noch etwa 6.000 Menschen von denen gerade 800 in den Vorruhestand geschickt und weitere 150 entlassen wurden.

Die Zukunft der Bergarbeiter ist ungewiss. Anfang 2016 ging die zuständige Gesellschaft CEH (Colpexul Energetic Hunedoara) in Insolvenz. Daraufhin gab es große Proteste, mit Untertagebesetzung und Hungerstreiks. Die Kumpels forderten die Absetzung der Geschäftsleitung was die Regierung auch prompt tat. Das war dann leider auch das Ende der Arbeitskämpfe. Dies hängt u.a. mit der Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung und dem korrupten Verhalten ihre Führer zusammen. Die neueste Enttäuschung für die Bergarbeiter ist der Verrat ihres Gewerkschaftsführers Nica, aus der Gerkschaft „Muntele“. Er war wohl der maßgebliche Verhandlungsführer, der die Bedingungen ausgehandelt hat, damit CEH jetzt aus der Insolvenz genommen wurde. Gerade wurde Herr Nica von seinem Posten als Gewerkschaftsführer zum leitenden Direktor der CEH ernannt und gleichzeitig kandidiert er für einen Senatssitz bei den Wahlen im Dezember 2016.
Seit der Wende 89 haben sich überall neue Gewerkschaften gegründet. Es gibt fünf große Gewerkschaftsverbände, die zum Teil parteilich ausgerichtet sind (u.a. sozial- und christdemokratisch). Die Gewerkschaften der Bergarbeiter sind dem Verband Federatia Nationala Mine Energie angeschlossen, aber fast jede Zeche hat ihre eigene Gewerkschaft manchmal auch zwei und mehrere.

Seit der Wende verfolgen die zuständigen Ministerien eine Salamitaktik. Das Staatsunternehmen wurde in mehrere Holdings aufgesplittert. Dadurch wurde die Kampfkraft geschwächt. Vertragliche Ansprüche wurden zum Vorteil der Holdings gesichert.

Bei den Gewerkschaften ist eine ähnliche Entwicklung zu sehen. Die einst kampfstarke „Liga Sindicatelor Miniere din Valea Jiului“ hat sich in mehrere Gewerkschaften aufgespalten. Die Kampfkraft der Kumpels wurde geschwächt. Bei Arbeitskämpfen gingen die Vereinbarungen immer zu Lasten der Mineure.

Entwicklung der Kämpfe und der Forderungen der Bergleute des Landes gegen die Bergbau-Monopole und die Regierung

Die breiten Proteste gegen die Regierung Ponta (sozialdemokratisch) wegen des Brandes in einer Diskothek in Bukarest mit 60 Toten führte im Herbst 2014 zum Rücktritt der Regierung.

Nach breiten Protesten in allen Bevölkerungsschichten gegen das Vorhaben des kanadischen Bergbaukonzern „Gabriel Resources“ in Rosia Montana in den Westkarpaten Gold mit dem umstrittenen Cyanidverfahren zu gewinnen, wurde dem Konzern die Genehmigung von der Regierung entzogen.

Vor kurzen protestierten die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und bei der Bahn gegen die schlechte Entlohnung. Das monatliche Einkommen in Rumänien beträgt zZ. ca. 460 €. Nach Zusagen wurde der Streik abgesagt.

Im Schiltal ist es Tradition seine Forderung durch Kampfmaßnahmen durchzusetzen. Berühmt sind die Mineriaden 1990, 1992 und 1999, wo die Bergleute nach Bukarest marschierten. Leider wurden die Mineriaden von der Soziademokratischen Partei für ihre Interessen missbraucht. Ihr Führer Cozma, der wegen Verstoß von nationalen Interessen zu 10 Jahren verurteilt wurde, vertritt heute eine ultranationalistische Position.

2012 gingen die Bergarbeiter im Schiltal in einen spontanen Streik mit der Forderung für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße. Die Regierung erfüllte schnell ihre Forderung um eine Ausbreitung der Kämpfe zu verhindern. So erhielten die Mineure eine schnelle Zusage.

Dass die rumänischen Bergarbeiter sich in soviel unterschiedlichen Gewrkschaften orgnisieren, zeigt, dass sie willens sind ihre Verhältnisse zu verändert. Anderseits offenbart es auch ihre Schwäche, dass sie noch keine kampfstarke Einheitsgewerkschaft haben. Um zu überleben suchen viele auch den Weg in die Emigration oder in den informelen Bergbau, den es seit ein paar Jahren auch gibt.