Wer wir sind

logo

Sprache wählen

Suche

Ukraine: Bericht zur Situation - Solidarität erforderlich

In diesem hochindustrialisierten und zugleich sehr fruchtbaren Land gibt es inzwischen verbreitet (und nicht nur verschämt und versteckt) Hunger. 2016 gab es eine landesweite Demonstration von Bergarbeitern und Bauern gemeinsam.

Die Bergarbeiter forderten die Auszahlung ihrer Löhne und die Entlassung des Ministers für Energie und Kohle. Im Juni streikten z.B. in Dnepropetrovsk (das ist in der Region, wo im März in den Metallurgieunterwerke von Krivoj Rog gestreikt wurde) die Arbeiter von drei Fabriken. Sie forderten: „Die Kinder wollen leben“. Gleichzeitig zu den Streiks fanden Demonstrationen wie der „Marsch für die Würde“ statt. Arbeiter blockierten die Straßen. Zur Zeit werden im äußersten Nordwesten Schächte von staatlichen Zechen bestreikt.

Schon im Juli haben die Bergarbeiter von Lisitschansk (100 km nordöstlich von Donezk) für die Auszahlung der Löhne gestreikt. Zu diesem Konzern gehören insgesamt elf Bergwerke, davon vier in Lisitschansk. Hier wird hochwertige Anthrazitkohle gefördert. Dieser Streik ist inzwischen beendet. Am 9. 10. blieben 52 Bergleute in einem Bergwerk von Mirnogradugol ca. 40 km nordwestlich von Donezk, unter Tage. Sie weigerten sich auszufahren, und die nächste Schicht weigerte sich einzufahren. Der Bergwerksdirektor beschwerte sich, dass der Ausfall durch den Streik jeden Tag 2 Mill. Griven koste (d.h. so viel wie weniger Gewinn bringe) Dieser Streik wurde zwischenzeitlich beendet, weil ein Teil des ausstehenden Lohns bezahlt wurde.

Am 19. 10. begannen die Bergarbeiter des Novogradovsker Schachts zu streiken, ebenfalls mit der Forderung nach Auszahlung der Löhne. Selbst wenn jetzt ein Teil der Löhne, zumindest für August und September ausgezahlt würde, sind die Kumpel weiter bereit zum Streik, und die Gewerkschaftsführung rechnet mit neuen Streiks ab November in den staatlichen Bergwerken der ganzen Ukraine. Gleichzeitig wird in der Gegend von Novogradovka unverantwortlich mit den stillgelegten Bergwerken umgegangen. Im stillgelegten Schacht 2 wird Wasser in die Wasserreservoire der Stadt abgepumpt. Die Bewohner fürchten einen Bruch des Wasserreservoirs, und zwar mit Überschwemmung nicht nur in der Stadt Novogradovka, sondern auch in der Stadt Selidov und in umliegenden Dörfern. Zumal das Wasser auch mit giftigen Stoffen aus den Schächten belastet ist.

Auch in Wolhynien an der Grenze zu Polen begannen die Bergarbeiter des Schacht Buzhanskaja Nr. 9 am 17.10. zu streiken und lieferten keine Kohle mehr aus. Sie blockierten die Autobahn Kiew – Warschau nahe dem Grenzkontrollpunkt Jagodin zur polnischen Grenze. Sie forderten ebenfalls die Auszahlung der Löhne.

Zu den Forderungen nach Lohnauszahlung gibt es eine große Wut über Staat und Regierung. Das ganze Geld des Staates fließt in Militär und Rüstung (und in die Korruption), so dass die Nichtauszahlung der Löhne direkt mit diesem Krieg zu tun hat. Das Ansehen der Regierung ist auf dem Tiefpunkt. 80% sind Gegner von Staatspräsident Poroschenko. In Umfragewerten kommt er auf 12% Zustimmung. Der Ministerpräsident Jasenjuk ist im April zurückgetreten. Aber man traut sich nicht Neuwahlen anzusetzen, weil der Ausgang die Situation der Herrschenden und ihrer Geschäftsführung nur verschlechtern könnte.

Die ukrainischen Bergleute sind mit ihren mächtigen Arbeiterprotesten ein wichtiges Vorbild für die Bergleute in den
Ländern der Welt! Euer Kampf ist Teil der kämpferischen
Bergarbeiterbewegung der Welt.

Angesichts der verheerenden Lage der Bergarbeiter und ihrer Familien fordern wir die Bergleute der Welt auf, sich praktisch mit den ukrainischen Bergleuten und ihren Familien zu solidarisieren. Informiert die Bergleute auf den Zechen und in den Wohngebieten, schreibt Solidaritätserklärungen, spendet Geld für Lebensmittel, schickt Lebensmittel, protestiert öffentlich vor den ukrainischen Konsulaten und Vertretungen.

Hoch die internationale Solidarität!